Ausgesprochen Alt. Der Antike Podcast
Damnatio Memoriae

Folge 01: damnatio memoriae

Auslöschen des Andenkens

In unserer ersten Folge wollen wir uns mit dem Vergessen beschäftigen. Mit dem Vergessen werden. Denn die damnatio memoriae ist genau das, ein institutionalisiertes Vergessen.
Unter diesem modernen Begriff versteht man heute die antike römische Praxis, die Erinnerung einer Person komplett auszulöschen. Deren Bildnisse zu zerstören, deren Namen aus Inschriften zu tilgen. Betroffen hat das vor allem unliebsame Kaiser.

Über diese Quellen sprechen wir in der Folge:

  • Porträt des Titus/Nero: Slg. Wallmoden, Abguss in der Antikensammlung Göttingen
    Das Bildnis des Nero wurde in der Antike zu Titus umgearbeitet. Besonders gut erkennt man das an der unterschiedlichen Frisur vorne und hinten, vgl. dazu die Bilder auf VIAMUS.
  • Erradierter Sesterz des Caligula (Rom, 3738 n. Chr.): Sesterz in der Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.
    Das erste C der Legende, das für den Vornamen des Kaisers steht (C/Gaius), wurde erradiert.
  • Septimius-Severus-Tondo, Berlin Antikenslg. Inv. 31329 (199201 n. Chr.): Eigentlich zeigt das hölzerne Tafelbild die Kaiserfamilie um Septimius Severus, doch Geta wurde aus dem Bild erradiert.
damnatio memoriae: Statuenumarbeitung1
damnatio memoriae: Statuenumarbeitung2
damnatio memoriae: Erradierter Sesterz
damnatio memoriae: Erradierter Sesterz
damnatio memoriae: Septimius-Severus-Tondo
damnatio memoriae: Statuenumarbeitung1 damnatio memoriae: Statuenumarbeitung2 damnatio memoriae: Erradierter Sesterz damnatio memoriae: Erradierter Sesterz damnatio memoriae: Septimius-Severus-Tondo
  • Cassius Dio 60, 22, 3:
    “[…]; hingegen war den Senatoren das Andenken an Gaius so verhaßt, daß sie beschlossen, jede Bronzemünze, die sein Bild trug, einzuschmelzen. Und so geschah es denn auch, doch wurde die Bronze keinem besseren Zweck zugeführt, sondern Messalina ließ daraus Standbilder für den Schauspieler Mnester anfertigen.”
    [Cassius Dio, Römische Geschichte. Band IV. Bücher 51-60, Übersetzt von Otto Veh (Düsseldorf 2009)]
  • Cassius Dio 78, 12, 6:
    “Vielerlei unternahm er [Caracalla] auch, um Geld beizubringen. Er verriet des weiteren seinen Haß gegen den toten Bruder, indem er die Feier seines Geburtstags abschaffte; er grollte auch den Steinen, weil sie einstmals seine Statuen getragen hatten, und ließ die Münzen mit seinem Bilde einschmelzen.”
    [Cassius Dio, Römische Geschicht. Band V. Bücher 61-80. Übersetzt von Otto Veh (Düsseldorf 2009)]

Literaturliste:

  • F. Vittinghoff, Der Staatsfeind in der römischen Kaiserzeit. Untersuchungen zur „damnatio memoriae“, Neue deutsche  Forschungen. Abteilung Alte Geschichte 2 (Berlin 1936)
  • R. Wolters, Nummi Signati. Untersuchungen zur römischen Münzprägung und Geldwirtschaft (München 1999), 150–161
  • H. Gocht, Namenstilgungen an Bronzemünzen des Caligula und Claudius, Mitteilungen der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft 43, 2003, 103–118
  • E. Varner, Mutilation and transformation. Damnatio Memoriae and Roman imperial portraiture, Monumenta Graeca et Romana 10 (Leiden 2004)
  • H. Flower, The art of forgetting. Disgrace & oblivion in Roman political culture. Studies in the history of Greece and Rome (Chapel Hill 2006)

Bildquellen:

  • Septimius-Severus-Tondo:
    Gemeinfrei, da Copyright ausgelaufen
  • Erradierter Sesterz des Caligula:
    CC BY-NC-SA 3.0 DE, Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin
  • Bronzestatue Julia Aquila Severa, Nationalmuseum Athen Inv. 23321 (FO: Sparta, 221/222 n. Chr.):
    CC BY-SA 3.0, Paul Munhoven 2013
  • Umgearbeitetes Porträt des Nero zu Titus, Slg. Wallmoden:
    Abguss in der Antikensammlung Göttingen (A 1550 Bildnis des Titus)
    Copyright: Archäologisches Institut der Universität Göttingen, Foto: Stephan Eckardt
  • Follis, Maxentius (Rom, 308—310 n. Chr.):
    CC BY-NC 4.0 DE, Stephan Eckardt, Archäologisches Institut Göttingen 2015

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