Ausgesprochen Alt. Der Antike Podcast

Folge 14: #TrueCrime – Die Tyrannenmörder von Athen

Im Jahr 514 v. Chr. kommt es in Athen zu einem Attentat! Der Tyrann Hipparchos wird von Harmodios und Aristogeiton auf der Athener Agora mitten im Zentrum der Stadt getötet. Die beiden Mörder gehen schon in der Antike als Tyrannentöter in die Geschichte ein. Sie werden als Wegbereiter der Demokratie mit Ehrenstatuen gefeiert. Dabei war das Motiv des Mordes laut einigen antiken Quellen eigentlich bloß ein homoerotisches Liebesdrama.
Zahlreiche Quellen aus der Antike bis in die Gegenwart zeigen jedoch wie die Tyrannentöter als Projektionsfläche für politische Ideen dienen.

Folge 14 von Ausgesprochen Alt.

Über diese Quellen sprechen wir diese Folge:

Statue der Tyrannenmörder von Athen

Die erste Statuengruppe des Bildhauers Antenor wurde 480 v. Chr. von den Persern geraubt. Sie hat sich nicht erhalten.
Die zweite Statuengruppe von Kritios und Nesiotes, die im Jahr 477/76 auf der Athener Agora aufgestellt wurde, ist eins der wichtigsten Werke des Strengen Stils. Die Statuengruppe ist in mehreren römischen Kopien überliefert, besonders wichtig ist jene im Nationalmuseum von Neapel. Dargestellt sind die beiden Tyrannentöter Harmodios und Aristogeiton.

Weitere Reflexe in der antiken Kunst
  • Stamnos mit Darstellung der Tyrannenmörder, ca. 470 v. Chr. (Martin von Wagner Museum, Uni Würzburg, Bild: Wikipedia, User: Daderot)
  • Lekythos mit Darstellung der Tyrannenmörder, ca. 470 v. Chr. (Kunsthistorisches Museum Wien)
  • Trinklieder, sog. Skolien auf Harmodios und Aristogeiton, überliefert bei Athen. Deipn. 15.695a.10-695b.13
  • Panathenäische Preisamphoren mit der Statuengruppe der Tyrannenmörder auf dem Schild der Athena, 402 v. Chr. (British Museum, London)
  • Choenkännchen, ca. 400 v. Chr. (z.B. Boston, MFA 98.936; Rom, Villa Giulia 44255 – BAPD 9037562; Ferrara Mus. Naz. 6406 – BAPD 9037563)
  • Sog. Thron von Elgin, ca. 300 v. Chr. (Malibu, Getty Museum, Bild: Laurie Annie)
  • New Style Tetradrachmen mit den Tyrannenmördern als Beizeichen, ca. 100 v. Chr.
Reflexe in der Zeitgeschichte
  • Statuengruppe mit Arbeiter und Kolchosbäuerin, Denkmal der Sowjetunion bei der Weltaustellung in Paris 1937
  • Personifikation von „Glaube“ und „Treue“ bei Nazi-Festzug zum „Tag der Deutschen Kunst“ in München, 18.7.1937

Literatur

  • V. Azoulay, Les tyrannicides d`Athènes. Vie et mort de deux statues (Paris 2014)
  • S. Brunnsåker, The Tyrant-Slayers of Kritios and Nesiotes. A Critical Study of the Sources and Restorations ²(Stockholm 1971)
  • B. Fehr, Die Tyrannentöter, oder: Kann man der Demokratie ein Denkmal setzen? (Frankfurt 1984)
  • F. Hölscher, Die Tyrannenmörder – ein Denkmal der Demokratie, in: in: E. Stein-Hölkeskamp – K.J. Hölkeskamp (Hrsg.), Die griechische Welt. Erinnerungsorte der Antike (München 2010) 244-258
  • B. Schweizer, Harmodios und Aristogeiton. Die sog. Tyrannenmörder im 5. Jh. v.Chr., in: N. Kreutz – B. Schweizer (Hrsg.), Tekmeria. Beiträge für Werner Gauer (Münster 2006) 291–313
  • A. Stewart, Notes on the Origins and Early Development of the ´Agora of the Kerameikos` in honorem Bert Smith, in: C.M. Draycott u.a. (Hrsg.), Visual Histories of the Classical World. Essays in Honour of R.R.R. Smith (Turnhout 2018) 299-308
  • M.W. Taylor, The Tyrant Slayers. The Heroic Image in Fifth Century B.C. Athenian Art and Politics ²(Salem 1991)

Bildquellen

Statuengruppe der Tyrannenmörder, Nationalmuseum Neapel: Copyright: Ilya Shurygin, Museum Neapel

Lekythos mit Darstellung der Tyrannenmörder, Copyright: Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Panathenäische Preisamphore, CC BY-NC-SA 4.0: British Museum London

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