Groß, imposant und alt — die Sieben Weltwunder der Antike sind die „Top Sieben“ Reiseziele der Antike. Archäologisch sind die berühmten Bauwerke und Monumente gar nicht immer so leicht zu fassen. Manchmal kann aber die Numismatik ihren Teil dazu beitragen. Und was ist mit diesem achten Weltwunder, das mal da war, aber dann von der Liste gestrichen wurde?
Folge 26 von Ausgesprochen Alt.
Über diese Quellen sprechen wir diese Folge:
Die aus der antike überlieferte Liste der Weltwunder:
„Ich durfte mir die Mauern Babylons ansehen,
Antipatros von Sidon, 2. Jh. v. Chr. mit seiner Liste der Sieben Weltwunder
auf denen man mit Wagen fährt,
den Zeus und die Hängenden Gärten und den Koloss des Helios,
die hohen Pyramiden und das gewaltige Grabmal des Maussolos.
Der Artemis-Tempel aber, der bis in die Wolken reicht,
lässt alles andere verblassen.“
Die Mauern Babylons werden aufgrund von Zerstörung später durch den Leuchtturm von Alexandria ersetzt.
(0.) Die Mauern von Babylon
- ab. 1830 v. Chr. erbaut, Festungsgürtel der Stadt
- Unsere Empfehlung: Ein virtueller Besuch Pergamonmuseum Berlin
- Ergänzungen im 6. Jh. unter Nebukadnezar II.:
Ischtar-Tor, 6. Jh. v. Chr. (Rekonstruktion im Pergamonmuseum Berlin + Informationen zur Rekonstruktion)
Ziegelrelief mit Drachen, Ischtar-Tor, 1. Hälfte 1. Jahrtausend v. Christus (Pergamonmuseum Berlin)
1. Der Leuchtturm von Alexandria (Pharos von Alexandria)
- 299 bis 279 v. Chr. von Sostratos von Knidos erbaut
„Sostratos der Knidier, Dexiphanes’ Sohn, den rettenden Göttern
Bauinschrift auf dem Leuchtturm, die im 10. Jh. n. Chr. noch vom arabischen Historiker Al-Mas’udi gesehen und beschrieben wurde
Für die Seefahrenden errichtet.“
- Bronzemünze aus Alexandria, unter Hadrian: ΑΥΤ ΚΑΙΣ ΤΡΑΙΑΝ ΑΔΡΙΑΝΟΣ ΣΕΒ, Büste des Hadrian nach rechts / L IH, Isis Pharia nach rechts, daneben Leuchtturm, RPC III 5895, Bibliothèque nationale de France, département Monnaies, médailles et antiques
2. Zeus-Statue des Phidias in Olympia
- 430 v. Chr. im Zeustempel aufgestellt
- Epiktet beschreibt im 1. Jh. n. Chr., wer den Zeus des Phidias gesehen habe, der könne im Leben nicht mehr unglücklich werden (Epiktet, dissertationes 1,6,23).
- Beschreibung durch Pausanias: „Auf seinem Kopf trägt er einen gemeißelten Kranz aus Olivenzweigen. In seiner Rechten trägt er eine aus Elfenbein und Gold gefertigte Figur der Siegesgöttin… In seiner Linken hält er ein Szepter, das mit allen Arten von Metall eingelegt ist und auf dem ein Adler sitzt. Seine Sandalen und sein Gewand bestehen aus Gold, und seine Kleidung ist mit Tieren und Lilien verziert. Der Thron ist mit Gold, Edelsteinen, Ebenholz und Elfenbein geschmückt.“ (2. Jh. n. Chr.)
- Werkstatt des Phidias, 5. Jh. v. Chr.: Tönerne Matrizen für Gewandpartien
- Bronzemünzen aus Elis, unter Hadrian: ΑΥΤΟΚΡΑΤΩΡ ΑΔΡΙΑΝΟΣ ΔΙΣ, Büste des Hadrian nach links / ΗΛΕΙΩΝ, Sitzender Zeus nach links bzw rechts, RPC III 317 & RPC III 319
3. Pyramiden von Gizeh
- 2620-2500 v. Chr. erbaut
- Grabkammern des Cheops, Mykerinos und Chephren
4. Hängende Gärten der Semiramis in Babylon
„Der Park erstreckte sich auf jeder Seite über 120 Meter, und da der Aufgang zu dem Garten hangartig geneigt war und die einzelnen Teile des Bauwerkes stufenartig voneinander abgesetzt waren, glich das Ganze in seinem Erscheinungsbild einem Theater.“
Diodorus Siculus ca. 50 v.Chr.
5. Koloss des Helios auf Rhodos
- ca. 292 v. Chr. vollendet, bereits 227/226 v. Chr. durch Erdbeben zerstört
- Plinius d. Ältere, Naturgeschichte 34, 41: „Nur wenige Männer können den Daumen mit ihren Armen umfassen, und seine Finger sind größer als die meisten Statuen. Was die zerbrochenen Gliedmaßen anbelangt, so gleichen sie im Innern großen Höhlen.“
- Drachme aus Rhodos: Kopf des Helios nach rechts / ΑΡΤΕΜΩΝ/Ρ-Ο, Rose, Bibliothèque nationale de France, département Monnaies, médailles et antiques
6. Grabmal des Mausolos von Halikarnassos
- 368 bis 350 v. Chr. errichtet
- Fundament und Skulpturen durch britische Grabungen 1857 freigelegt
- Fundamentplatte 32 m × 38,40 m
- Heutige Reste des Mausoleums in Bodrum
- Fries und Statuen im British Museum in London
- Tetradrachme des Mausolos: Kopf des Apollon frontal / ΜΑΥΣΣΩΛΟ, Zeus Labraundos nach rechts, ME, Bibliothèque nationale de France, département Monnaies, médailles et antiques
7. Artemis-Tempel in Ephesos
- Archaischer Tempel „D“ (sog. Kroisostempel), ca. 550-460 v. Chr.
ca. 60 m x 103 m Grundfläche, Säulenhöhe ca. 19 m
Baumeister: Theodoros von Samos, Chersiphon und Metagenes von Kreta
Zerstörung: 356 v. Chr. durch Brandstiftung von Herostratos - Bronzemünze aus Ephesos, unter Hadrian: ΑΔΡΙΑΝΟΣ ΚΑΙΣΑΡ ΟΛΥΜΠΙΟΣ, Büste des Hadrian nach rechts / ΕΦΕΣΙΟΝ, Statue der Artemis Ephesia in Tempel, RPC III 2073, Bibliothèque nationale de France, département Monnaies, médailles et antiques
Literatur:
- K. Brodersen, Die sieben Weltwunder. Legendäre Kunst- und Bauwerke der Antike.(München 2001)
- P. A. Clayton — M. J. Price, Die sieben Weltwunder (Leipzig 2000)
- W. Ekschmitt, Die Sieben Weltwunder. Ihre Erbauung, Zerstörung und Wiederentdeckung. (Mainz am Rhein 1996)
- M. Kunze, Die Sieben Weltwunder der Antike. Wege der Wiedergewinnung aus sechs Jahrhunderten (Mainz 2003)
- Zum Leuchtturm von Alexandria:
- Ancientcoinage: Seven Wonders of the World – The Pharos Lighthouse (http://ancientcoinage.org/lighthouses-of-alexandria.html)
- Zur Zeusstatue von Olympia und der Phidiaswerkstatt
- W. Schiering — A. Mallwitz, Die Werkstatt des Pheidias in Olympia 1. Olympische Forschungen 5 (Berlin 1964)
- G. M. Richter, The Pheidian Zeus at Olympia, Hesperia 35, 1966, 166–170
- W. Schiering, Die Werkstatt des Pheidias in Olympia. 2: Werkstattfunde. Olympische Forschungen 18 (Berlin 1991)
- J. McWilliam — R. Taraporewalla — T. Stevenson — S. Puttock (Hrsg.), The Statue of Zeus at Olympia. New Approaches (Cambridge 2011)
- Zum Koloss von Rhodos:
- U. Vedder, Der Koloß von Rhodos – Mythos und Wirklichkeit eines Weltwunders (online auf academia)
- ebd.: Kap. Der Blick hinter die Legende: Die historische Überlieferung zum Koloss von Rhodos und die Frage nach dem Standort (hier online)
- Zum Grabmal des Mausolos:
- W. R. Lethaby. The Tomb of Mausolus (London 1908) (online Uni Chicago)
- Zum Artemis-Tempel:
- A. Ohnesorg, Der Kroisos-Tempel. Neue Forschungen zum archaischen Dipteros der Artemis von Ephesos, Forschungen in Ephesos 12,4 (Wien 2007), Open Access
- Mehr zu den österreichischen Grabungen in Ephesos: ÖAI, EPHESOS: NEUES RUND UM DEN TEMPEL DER ARTEMIS (abgerufen 20.02.2021)
Spannende Folge! Ich finde auch die Zeus-Statue aus Olympia sehr spannend und wie man sie mit verschiedenen Hinweisen und archäologischen Hinterlassenschaften rekonstruieren kann. Weiter so!